Von Gutmenschen und von anderen Rassisten.

Culture Club l Sonnabend, 10. November 2018

Anfang des Jahres fragte ich einen Freund, ob er mit mir in die Landesbühnen Sachsen gehen will. Ich schlug gleich zwei Stücke vor. Er sagte zu beiden ja. So waren wir gestern in „Dantons Tod“ und für heute war eigentlich „Die Vermessung der Welt“ geplant. Doch krankheitsbedingt wurde in Radebeul „Willkommen“ gespielt. Ein Stück über Integration, das nicht in meiner Auswahl war. Denn – um ehrlich zu sein – ich kann das Thema Flüchtlinge einfach nicht mehr hören.

Seit mehr als drei Jahren geht es in Deutschland nur noch um Migranten. Ich finde es richtig, Menschen, die um ihr Leben fürchten müssen, einen Platz in unserem Land anzubieten. Was ich aber nur noch schwer ertragen kann, ist die Gewichtung. Vielen weiteren Aufgaben wird nicht die auch nötige Aufmerksamkeit gewidmet. Dabei haben wir es doch geschafft. Zwar nicht immer perfekt, aber es funktioniert. Migration ist wichtig, aber das Thema sollte nur ein Schwerpunkt der Politik unter anderen sein und nicht das alles Überdeckende.

Warum also immer wieder das Thema Flüchtlinge in den Mittelpunkt stellen? Das nervt. Aus diesen Gründen wäre ich nie in „Willkommen“ gegangen. Ich hätte da aber auch eine amüsante Komödie verpasst, die in ihren Gesellschaftsspiegelungen weh tut.

Mit seinem Volvo steuert Benny die Asylunterkünfte in seiner Umgebung an, um die Flüchtlinge dort kennen zu lernen. Ja, es ist schön, wenn man es sich leisten kann, ein guter Mensch zu sein. Zu Beginn des Stücks wurden meine gerade beschriebenen Befürchtungen erstmal so richtig bestätigt. Wieder zu Hause teilt er seinen WG-Bewohnern mit, dass er für ein Jahr nach New York geht und sein Zimmer Migranten zur Verfügung stellen will. Eine heiße Diskussion entbrennt.

Die Künstlerin Sophie ist sofort für diese großartige Idee. Sie sieht die Bereicherung, die die Neuen für die WG bieten können und die vielen vielen weiteren Möglichkeiten. Doro, die Feministin ist gegen arabische Männer. Sie kann deren Machismus nicht ertragen. Benny will primär seine Ruhe und Anna verkündet, dass sie schwanger ist. Damit nimmt die WG-Diskussion eine ganz andere Richtung. Als dann auch noch der Türke Achmed – der werdende Vater – auftaucht, geben sich alle ihren Vorurteilen hin. Benny hat in den Flüchtlingsheimen nie erzählt, dass er schwul ist („Geht die ja nichts an“), Sophie hat was gegen Türken und Doro gegen Annes Ex-Liebhaber.

Wir alle haben Vorurteile. Jeder sollte dazu ehrlich stehen und nicht so tun, als ob sie/er „was Besseres“ wäre. Damit wäre für denUmgangston in unserer Gesellschaft schon viel getan. Vielleicht schaffen wir es dann den Rassisten in uns loszuwerden. 


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