Von Tugend und vom Schrecken.

Culture Club l Freitag, 9. November, 2018

Frankreich, 1794. Im fünften Jahre der französischen Revolution tobt durch das Land eine Welle von Terror und Gewalt. Es ist die Zeit in der der berühmte Satz „Die Revolution frisst ihre Kinder“ geprägt wird. Vor diesem Hintergrund spielt Georg Büchners Drama „Dantons Tod“.

Georges Danton ist Revolutionär der ersten Stunde. Seine Karriere führte ihn während der Ersten französischen Republik zum Posten des Justizministers und Chef des Wohlfahrtausschusses. Er sorgte dafür, dass die Methoden der Revolution immer grausamer wurden. Doch sein Gewissen holte ihn ein und er wurde des Kampfes müde. Gleichzeitig wurden aus ihm und Maximilien de Robespierre erbitterte Feinde. Einst waren die beiden Männer Kampfgefährten. Jetzt ist der eine altersmilde und der andere verfestigt die Schreckensherrschaft der Jakobiner, deren Hauptmittel die Guillotine ist. Es kommt, wie es kommen muss! Dantons Gewissen und Ansehen in der Bevölkerung stehen Robespierre im Weg und so wird Danton von Robespierre beseitigt.

Die Inszenierung der Landesbühnen Sachsen kommt erfrischend stark reduziert daher. Für das Bühnenbild braucht es keinen Schnickschnack. Büchners Texte sind nach-wie-vor ausdrucksstark genug, um zu fesseln. Und es ist beeindruckend, was ein guter Schauspieler mit Stimme, Gesichtsausdrücken und Bewegungen alles darstellen kann. Die innere Zerrissenheit Robespierres, als er die Intrige gegen Danton startet, wird von Holger Uwe Thews so intensiv gespielt, dass der Zuschauer mitleiden muss. Doch leider gibt es im Stück auch die „künstlerisch wertvollen“ Szenen.

Mir ist zwar klar, was die Kämpfe mit Stühlen zum Klang von Sirenen oder die minutenlangen Gänsefußmärsche von Jean-François Delacroix und Pierre Philippeaux darstellen sollen. Doch gebraucht hätte es dies nicht. Die Inszenierung wäre ohne diese Elemente stimmiger gewesen.

Irritierend fand ich heute Abend auch das Publikum. Nach einer Brandrede gegen Danton stimmt Robespierre die Marseillaise an. Plötzlich sprangen mehrere Zuschauer auf und sangen mit. Wohl der falscheste Moment für die französische Nationalhymne. Gerade wurden die Werte von Liberté, Égalité und Fraternité verraten. Gerade fraß die Revolution ihre Kinder. Sollte man da wirklich singen?

Quelle Portraits: wikidepedia.de
Quelle Szenenfoto und Video: landesbühnen-sachsen.de


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