Von Chemnitz und von der Frage nach der Zukunft Deutschlands.

Dienstag, 28. August 2018 l Freedom of Speech

Was bewegt einen Menschen, einen anderen Menschen zu jagen? Ich kann das einfach nicht verstehen.

Mit Blick auf die Menschenjäger von Chemnitz lässt sich erst einmal leicht urteilen. Da war der Pöbel auf den Straßen unterwegs. Ungebildet. Unkultiviert. Pogrom-Handlungen werden durch die niedrigsten Instinkte gesteuert. Genau so hat sich der menschliche Abschaum in den Straßen verhalten.

Doch ist es so einfach über Chemnitz, über Sachsen zu urteilen?

Die neuen Bundesländer sind nach-wie-vor der schwäche Teil Deutschland. Nicht wenige haben nach der Wende nicht am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben können. Deutschland wird noch immer vom Westen dominiert. Auch hochqualifizierte Jobs werden im Osten schlechter bezahlt. Nicht nur gefühlt fehlen in den alten Bundesländern der Respekt und das Verständnis für die Menschen im Osten und deren Biografien. Sicher fühlten sich viele Ostdeutsche nach 1989 alleine gelassen und mussten Jahre später erleben, dass für „Fremde“ vieles unternommen wird und auch Geld da ist: #RefugeesWelcome – Warum engagiert man sich für die Flüchtlinge und nicht für (ost-)deutsche Hartz-IV-Empfänger?

Doch ist es so einfach Chemnitz und Sachsen zu entschuldigen?

Was bewegt nun einen Menschen, einen anderen Menschen zu jagen? Ich kann das einfach nicht verstehen und ich will das durch nichts entschuldigen. Um ehrlich zu sein, ist mir aber auch die Berichterstattung der letzten Tage zu wider. Geradezu mit Inbrunst wurde über (den LKA-Angestellten aus) Dresden hergezogen. Ich formuliere es überspitzt, aber was die Flüchtlinge für die Nazi-AfD-Anhänger sind, sind wir Sachsen für das linke Pendant. Da kann man prima eimerweiße Geifer auskippen und sich des Applauses der Zielgruppe sicher sein.

Die Rechten sind nach den Beleidigungen an weiteren Diskussionen nicht interessiert. Der Tabubruch hat hier schon die meisten Bedürfnisse befriedigt. Auf der anderen Seite sieht das eigentlich auch nicht ganz anders aus. Nur ist man im linken Milieu noch zusätzlich aufrichtig entsetzt, dass der Bewohner Dunkeldeutschlands sich nicht brav für die Schmähungen bedankt, die doch als Akt der Gnade der intellektuellen Überlegenheit verteilt wurden.

Zurzeit entsteht in der Bundesrepublik ein gesellschaftliches Klima, dass mich ängstlich die Frage stellen lässt, wie es in Deutschland wohl weitergeht. Ich glaube kaum, dass sich die AfD-Anhänger so schnell wieder auf den Boden des politischeren Anstands zurückholen lassen. Denn die sprachliche Verrohung ist doch die wirklich einzige Alternative, die diese Bewegung zu bieten hat. Ich sehe im Moment aber auch nicht wenigstens einen wirklichen Versuch, das überhaupt zu tun. Deutschland igelt sich immer mehr in Lagern ein und Schuld daran sind natürlich nur die Gegner.

2 Kommentare

  1. Ich kann das auch nicht verstehen. Ein Erklärungsversuch: für manchen Zeitgenossen, gilt der Satz, Mensch ist Mensch nicht, oder nicht mehr. Daher denken und reden manche eben ganz anders.

    (kommentiert via Facebook)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.