Von mitreißender Musik und vom fehlenden Pfeffer.

Die Staatsoperette holt „Die Csárdásfürstin“ nach Dresden, verlegt die Handlung aber gleich mal nach Wien: Die Inszenierung ist gelungen, manchmal wollte sie jedoch zu viel und gelegentlich fehlt der Show die Würze.

Ich mag‘s, wenn die Operette Stücke in die Gegenwart holt. Mit kleinen aber feinen Spitzen lässt sich so, fast schon kabarettesk, die große Politik kommentieren. Und da gibt es ja viel zu kommentieren! Die Scheinheiligkeit nimmt immer mehr zu. Die Inszenierung der „Csárdásfürstin“ hält hier so perfekt einen Spiegel vor, dass man niemanden namentlich erwähnen muss und dennoch weiß jeder sofort, wer gemeint ist. Leider wurde heute Abend auch der Vorschlaghammer ausgepackt. Das „Heimatministerium“ war für mich dann doch zu viel des Guten. An diesen Stellen habe ich lieber das gelungene Bühnenbild bestaunt.

Besonders mitreißend war das Opening nach der Pause. Im Stile der „Men in Black“ wurde zur Melodie des Schlagers „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ gesteppt. Hier ging dann endlich auch mal das Publikum mit. Leider fehlte dieser „Pfeffer“ an anderer Stelle. Einige der Rollen in der „Csárdásfürstin“ sind Roma. Damit sind bei mir nun mal bestimmte Vorstellungen verbunden. Das sind stolze Menschen. In deren Stimmen muss Melancholie liegen und gleichzeitig auch diese unverwüstliche Zuversicht. Leider fehlte mir das. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man auf den Einsatz von Mikrofonen verzichtet hat. Ich glaube, dass täte der Verständlichkeit gut. Ich war mehr als nur einmal froh, dass es über der Bühne den Text zum Mitlesen gab.

Das Juryurteil – also meins: Manchmal ist weniger mehr. Ob wohl eine Überarbeitung möglich ist?
Sieben von 10 Csárdástänzern.

Bildquelle: staatsoperette.de

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