Vom Buch und vom Bühnenstück.

Das Leben ist geprägt von Willkür, Folter und Tod. Einem grausamen Despoten ist Menschlichkeit fremd. Viele verlassen deshalb ihre Heimat, ihr vertrautes Umfeld. Sie nehmen die Gefahren einer Flucht in die Ungewissheit auf sich. Denn diese ist trotzdem mit der Hoffnung auf ein besseres Leben verbunden. – Deutschland unter Kaiser Barbarossa im 12. Jahrhundert: Im Auftrag von Markgraf Otto holt Ritter Christian fränkische Siedler in die Mark Meißen.

Die Siedlungsgründung im „Dunklen Wald“ (Erzgebirge) und die Silberfunde in Christiansdorf, der späteren Freien Stadt am Berg (Freiberg) sind der Grundstock für den legendären Reichtum der Fürsten und den Glanz Sachsens, der bis heute in den deutschen Landen unübertroffen ist. Und, sie ist der reale Hintergrund für die fiktive Geschichte der Heilkundigen Marthe und ihres Ritters Christian, deren Liebe die Dunkelheit überstrahlt.

Ich habe Sabine Eberts Buch „Das Geheimnis der Hebamme“ 2010 regelrecht verschlingen. Die ARD-Verfilmung sechs Jahre später ist an mir aber verbeigegangen. Heute sitze ich nun in der Felsenbühne Rathen und schaue mir die Bühnenversion an. Eine gelungene Inszenierung!

Durch einen Kniff ist es gelungen, das Buch auf die Bühne zu holen. Gleich drei Erzähler nehmen uns nämlich mit ins Mittelalter und durch sie kommt auch eine gute Brise Humor in die an sich ja schwere Geschichte. Sie führen nicht nur durch die Inszenierung, sie spielen auch noch mehrere Rollen. 643 Buchseiten werden so zu zweieinhalb kurzweiligen Bühnenstunden. Die Möglichkeiten der Felsenbühne werden gut genutzt. Nur einen Minuspunkt verteilt das Juryurteil. An der Akustik muss intensiv gearbeitet werden. Die Stimmen haben oft einen unnatürlichen Hall und mehr als nur einmal fallen die Mikrofone der Darsteller aus.

Das Juryurteil – also meins: 9 von zehn Eisenerzen.
Die Open-Air-Saison 2018 wurde glanzvoll eröffnet.

„Das Geheimnis der Hebamme“ als Buch, im TV und auf der Bühne.

Bildquelle: Landesbühnen Sachsen, Amazon

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