Von der Ausnahmesituation und vom Alltag.

Am Dienstagnachmittag meldete sich zum ersten Mal mein Smartphone mit der Information, dass in Dresden bei Bauarbeiten eine Fliegerbombe gefunden wurde. Schnell habe ich die Nachricht gelesen und fast genauso schnell auch wieder vergessen. Der Stadtteil von dem da die Rede war, ist nämlich Löbtau und das liegt aus meiner Sicht auf der falschen Seite der Weißeritz. Die Meldung war für mich somit erstmal uninteressant. Doch schon kurz nach dem Aufstehen am Mittwoch war der Blindgänger wieder in meinen Gedanken.

Meine liebe Chefin – eine Nicht-Dresdnerin – meldete sich per WhatsApp, wo denn das mit der Fünf-Zentner-Bombe sei und ob sie wie gewohnt von der Autobahn abfahren könne. Ich habe sie erstmal umgeleitet und mich dann selbst auf den Weg gemacht. Aus den üblichen zwanzig Minuten, die ich unterwegs bin, wurde gestern eine dreiviertel Stunde. Der Verkehr, der sonst durch Löbtau rollt, quälte sich durch Plauen, vorbei an den Absperrungen Richtung Fundort.

Im Büro lief dann der ganz normale Alltag. Nur durch die offenen Fenster waren öfter als sonst Sirenen zu hören. Die Informationen, die die Twitter-Accounts der Sächsischen Polizei, der Sächsischen Zeitung oder des MDR lieferten, wurden natürlich begierig gelesen. So hat uns auch die Meldung erreicht, dass die erste Entschärfung schief gegangen ist. Ein zweiter Versuch sollte die Lösung bringen.

Gestern Abend bin ich leicht aufgeregt mit dem Wissen ins Bett gegangen, dass schon bald eben diese Entschärfung stattfinden soll. Ich schlief unruhig, war mehrmals munter und so habe ich auch die Detonation gehört, als die Bombe explodierte. Kurzdrauf sah ich die ersten Bilder und Videos im Netz.

Heute habe ich wieder die Tweets mit dem #Fliegerbombe verfolgt. Teilweise wurde mir dabei schlecht. „Bomber Harris do it again“ ist dabei noch das Harmloseste, was die „Linken“ menschenverachtend zu den Ereignissen in Dresden kommentierten. Die „Rechten“ sahen sich durch den Fund in ihrer Geschichtsinterpretation bestätigt, dass 1945 eine unschuldige Stadt zerstört wurde.

Dann war plötzlich alles vorbei. Der Sprengmeister hat gegen 16.30 Uhr festgestellt, dass die Bombe entschärft ist. Das Feuer hat auch den restlichen Sprengstoff verbrannt. Die Aufräumarbeiten können beginnen und die evakuierten Anwohner dürfen zurück in ihre Wohnungen.

Welche Gefühle müssen diese fast 8.600 Menschen in den letzten drei Tagen gehabt haben? Welche Gedanken hatten sie in den zwei Nächten, die sie in Notunterkünften verbringen mussten? Allerdings sollte man auch an einem Tag wie heute darüber nachdenken, welches Glück wir haben, im Frieden leben zu dürfen. Viele Menschen müssen tag-für-tag in Schutzräume, weil ihre Dörfer und Städte bombardiert werden und sie wissen nicht, wie ihre Wohnungen aussehen, wenn sie heimkehren.

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