Von der Frau und von dem Mann.

Wird zwar niemanden interessieren, aber ich habe gerade mein Kindle zur Seite gelegt und will schlafen. Zeit wird es. In einer Stunde ist Mitternacht und in fünfeinhalb weiteren Stunden klingelt auch schon der Wecker.

Schnell beschleicht mich auch die Müdigkeit. Meine blauen Augen fallen fast von allein zu. Währenddessen hält unter meinen Schlafzimmerfester ein Auto. Die erste Tür geht auf und wird zugeschlagen. Kurz darauf wird die zweite Tür geöffnet. Ein Gekicher und Glucksen ertönt und hört auch nicht wieder auf. Ich wälze mich derweil im Bett hin und her. An Schlafen ist vorerst nicht mehr zu denken. Ich stehe deshalb auf, gehe in die Küche und trinke einen Schluck Wasser. Auf dem Balkon sehe ich eine Weile dem Vollmond zu. Nachdem ich wieder runtergefahren und innerlich still bin, laufe ich zurück ins Schlafzimmer. Durch die angekippten Fenster ertönt noch immer ein Redeschwall. Ich muss jetzt nachsehen.

Im gegenüberliegendem Haus wohnt eine Frau. Sie wird Ende 50 sein. Kleidet sich aber wie Anfang 20. Die dafür notwendige Figur hat sie aber nicht. Heute scheint sie ein Date gehabt zu haben. Sie hält sogar einen Strauß rote Rosen in der Hand. Was er sagt, verstehe ich nicht. Nicht einmal einzelne Wortfetzen kann ich deuten. Dafür ist ihr Lachen nach jedem seiner Sätze zu hören. Sogar ich habe diese Signale mittlerweile verstehen. Doch er kapiert nicht.

Ich liege wieder im Bett. Nach gut 30 Minuten höre ich ein Auto fortfahren, eine Haustür wird aufgeschlossen und in der Ferne schreit eine läufige Katze durch die Nacht.

Bilder von pixabay.com: Nicole Pankalla (Rote Rosen), Arijit Chakraborty (Tagträumer)

3 Kommentare

  1. So eine Dame haben wir in unserer Wohnanlage auch. Mit Stolz betont sie, dass sie Oma sei, kleidet sich aber ziemlich auffällig – und das steht ihr nicht wirklich. Sie ist allerdings verheiratet. Lachen und Autotürenschlagen vor dem Haus passiert da also nicht.

      1. Der 2. Satz deiner Antwort hat meine Gedanken bestätigt.
        Aber nein, da gibt es nichts zu überlegen. Wir lachen gern und oft, wenn auch nicht unbedingt des nachts vor der Haustür. Und wenn es doch mal geschen sollte – na und?

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