Von Königinnen und von Gefängnissen.

Star des Abends ist für mich das Bühnenbild. Es besteht eigentlich nur aus drei Elementen: Einem weißen Hintergrund, einem dunkeln Boden und einer drohenden Decke. Doch mit Bewegungen und unterstützt von Tönen und Licht, lassen sie nicht nur Verließ oder Thronsaal im Schauspielhaus für Friedrich Schillers „Maria Stuart“ entstehen. Nein! Sie symbolisieren auch die Gefängnisse, die Maria und Elisabeth in ihren Handlungen begrenzen. Aus ihren Gefühlen, Hoffnungen und Ängsten können sich beide Königinnen nicht befreien. Sie sind immer bei ihnen, wie eine schwere Decke.

Elisabeth von England scheint vom Verstand geleitet zu reagieren. Doch merkt man ihren Zweifel. Wie soll sie entscheiden, um dem Volk zugefallen und doch ihren Prinzipien treu zu bleiben. Sie geht noch einen kraftkostenden Schritt weiter. Hört sie wirklich das Volk? Wird es morgen vielleicht schon etwas anderes fordern, wenn sie heute über Maria Stuarts Tod entscheidet? Diese Fragen stellt sie sich im Bewusstsein, in letzter Zeit viel verändert zu haben. Sie hat mit dem Papst gebrochen. Sie hat mit Frankreich gebrochen und mit Spanien gab es Krieg. Die modernen Wissenschaften wurden begründet. Die Welt wurde umsegelt und kam so auch nach England. Gegen sie steht Maria Stuart, einstige Königin von Schottland und Frankreich, wahrscheinlich eine Mörderin und Hochverräterin. Sie will beiden Völkern auf den britischen Inseln die alte Ruhe wiedergeben und die Länder vereinen. Fast scheint es, dass sie einfache Lösungen bietet und damit ihre Anhänger findet. Sie gibt der Sucht nach Bewährtem eine Heimat.

Fanny Staffa und Anja Laïs sind die menschlichen Stars des Abends. Sie spielen Zweifel, Stolz und Verletzlichkeit spürbar. Unterstützt von eben dem reduzierten Bühnenbild, dass alles auf die zwei unterschiedlichen Königinnen fokussiert. Friedrich Schillers „Maria Stuart“ ist spannender als so manch sonntäglicher Tatort. Die Kürzung der Handlung auf zwei Stunden hat dem Stück zusätzlich gut getan.

Bildquelle: Staatsschauspiel Dresden, Sebastian Hoppe

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