Vom tanzenden Spatzen und von der Primaballerina.

Sie ist auf eine stille Art schön und sie ist erfolgreich. Dominika Egorova ist Primaballerina am Moskauer Bolschoi-Theater. Die Intrige einer Konkurrentin zerbricht ihr – im Wortsinn – die Karriere. Wer den „Unfall“ eingefädelt hat, bleibt unklar. Vielleicht sogar ihr Onkel Vanya? Den dieser zwingt sie anschließend in den russischen Geheimdienst. Aus einem tanzenden Spatzen wird so eine Primaballerina. Denn wie perfekt Dominika Egorova in ihrer neuen Rolle ist, wird erst ganz zum Schluss klar: „Onkel, war ich denn nicht gut?“

Ich fange mal mit dem Juryurteil – also meinem an: sechs von 10 Digitalleitungsüberprüfungsanrufen. Auf der ganzen Linie überzeugt „Red Sparrow“ nämlich nicht. Da ist gleich zu Beginn des Films die Ausbildung in der Staatlichen Schule Nummer 4. Hier soll Dominika Egorova zu einer DER Geheimagentinnen ausgebildet werden. Sie soll hier nicht nur die handwerklichen Fähigkeiten einer Spionin erlernen, sondern gleichzeitig eine Femme fatale werden, die Männer wie Frauen verführt, und gleichzeitig noch alle Kniffe der psychologischen Manipulation beherrscht. Die Handlung hätte sich an dieser Stelle etwas mehr Zeit nehmen sollen. Das Ganze kam eher wie eine preiswerte Motivationsshow à la „The Biggest Loser“ verbunden mit einem billigen Porno rüber, als den wie eine knallharte Geheimdienstschule.

Sonst nahm sich „Red Sparrow“ dagegen zu viel Zeit. Die Wirrungen um Agenten, Gegenagenten und Doppelagenten werden breit ausgetreten. Dazu jetten Russen und Amerikaner durch die halbe Welt, Sex samt einer Lovestory darf natürlich fehlen und es wird nach Herzenslust gefoltert. Mir war meist nicht klar, für welche Seite sich Dominika Egorova entscheidet. Dafür erbringt der Film den Beweis, dass die falsche Frisur auch einen Mann ruinieren kann. Wer ist nur auf diesen Haarschnitt für Matthias Schoenaerts (in der Rolle von Onkel Ivan Egorov) gekommen oder soll er Putin absichtlich ähnlichsehen?

Achtung: Spoiler! Ach, dass hätte ich fast vergessen. Zum Filmende gab es noch eine gehörige Portion Klischee. Dominika Egorova entscheidet sich für die CIA, weil in den USA die Würde jedes Einzelnen zählt, während dieses Russland von Korruption zerfressen wird. Oder war das ein Gag!?

Bildquelle: Fox Deutschland

3 Kommentare

  1. Schon nach dem Lesen der Filmvorschau im letzten Jahr kam mir der Plot doch sehr nach Eighties-Style rüber. Das Ost-West-Klischee wird auch hier wieder sehr breit getreten. Auch wenn ich JLa sehr mag, ins Kino gehe ich dafür nicht.

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      1. Naja, sooo gut kennen wir uns nun auch wieder nicht. Ich vermute sogar, die Bekanntschaft könnte nur einseitig sein. :'(

        Nein, das Kürzel habe ich auch nur in Filmmagazinen gelesen und dachte, das sei wohl geläufig.

        (kommentiert via Twitter)

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