Vom Spiegelbild und vom Jüngling.

Es ist dunkel in Deutschland. Das meine ich mit Blick auf Umgangsformen, Anstand und Moral nicht philosophisch, sondern im Wortsinn. Kurz vor halb Sieben ist das Licht des neuen Tags noch weit weg und so werden aus den Fenstern im Bus viele große Spiegel. Vor einem steht ein Jüngling.

Er ist vielleicht 15, 16 oder 17. Jungs in der Pubertät sind ja schwer zu schätzen. Auf jeden Fall legt er viel Wert auf sein Outfit. Dass die Kleidung perfekt sitzt, hat er seit dem Einsteigen schon zwei Mal geprüft. Jetzt widmet er sich seinem Haar. Geübt fährt das Bübchen durch die Strähnen. Sie liegen wie frisch vom Friseur. Aber er scheint mit seinem Spiegelbild noch nicht zufrieden zu sein. Er wiederholt das Spielchen mehrmals, bis er nochmals die Klamotten checkt.

Ich würde gern mal seine Freundin sehen. Diese ist entweder auch ein Modepüppchen oder – und darauf würde ich sogar wetten – sie eine graue Maus, die ihm nicht die Show stiehlt.

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