Von Waisen und vom Schneemann.

Achtung Spoiler! Der folgende Text behandelt den Inhalt des Films „Schneemann“ und gibt Teile der Handlung wieder.

Unser Abschied war kurz. Sehr kurz. Da Straßenbahnen nicht warten, bestand er nur aus einem „Ich muss“. Dann ließ ich meine Kinobegleitung im UFA-Kristallpalast einfach stehen und sprinte an die Haltestelle. Jetzt sitze ich in der 3. Während ich durch die Nacht nach Hause fahre, denke ich über Schneemann nach. Der Film beginnt mit fragwürdigen Erziehungsmethoden, erzwungenem Beischlaf und einem Suizid. Eine Mutter steuert ihren Kleinwagen auf einen zugefrorenen See. Das Eis unter ihr zerbricht. Langsam versinkt sie. Ihr kleiner Sohn konnte sich noch aus dem Auto retten. Doch nun muss er hilflos zusehen. Er bettelt, dass sie ihn nicht verlassen soll.

Zeitsprung in die Gegenwart. – Nicht der einzige des Films und nicht immer ganz nachvollziehbar: Harry Hole muss wohl ein erfolgreicher Ermittler in der norwegischen Polizei gewesen sein. Heutzutage ist er dem Alkohol verfallen, hat eine Ex-Freundin und kümmert sich um deren Sohn. Außerdem steht er noch in einem gespannten Verhältnis zum neuen Lebenspartner seiner Verflossenen. Weil dies ja nicht genug an Komplikationen ist, bekommt er noch eine neue Kollegin, Katrine Bratt. Sie trägt auch ein ordentliches Paket mit sich rum. Während sich dieses unübersichtliche Beziehungsgeflecht langsam auf der Kinoleinwand aufbaut, verschwindet eine junge Mutter. Die beiden Polizisten nehmen ihre Ermittlungen auf. Katrine voller Elan, Harry erst widerwillig. Doch er kommt schnell auf den Geschmack. Die Spuren führen zu einem Serientäter, dessen Markenzeichen ein trauriger Schneemann am Tatort ist. Dann passieren ein paar Dinge, die ich nicht verstanden habe. Wahrscheinlich erzählt der Film noch die Geschichte eines Call-Girl-Rings. Doch warum diese Story in die Handlung eingebaut wurde, erschließt sich mir nicht wirklich. Auch warum Michael Fassbender (als Harry Hole) nur in Schlüpfer am Fenster steht, bleibt ein (schön anzusehendes) Rätsel.

Ich bringe mal etwas Ordnung in das Tohuwabohu: Der kleine Junge vom Filmbeginn heißt Mathias und, er ist der Neue von Harrys Ex. Weil das ja noch nicht reicht, entpuppt er sich noch als mordender Rächer aller Waisenkinder. Mathias kann seiner Mutter nämlich nicht verzeihen, dass sie ihn verlassen hat. Dabei ist es doch eigentlich sein Vater, der ihn nicht wollte. Katrine Bratt ist Polizistentochter. Ihr Vater kam unter nicht wirklich geklärten Umständen ums Leben, als der Schneemannmörder zum ersten Mal seinen Hass auslebte.

Das Juryurteil – also meins: Ich sitze in meiner Straßenbahn und weiß auch nicht so richtig.
Sechs von 10 Kaffeebohnen (Insider, damit der Film wenigstens etwas spannend bleibt)

Bildquelle: Universal Pictures

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