Von Filmnächten am Elbufer und von „Plötzlich Papa“.

Den schönsten Kinosaal Dresdens haben zweifellos die Filmnächte. Am Königsufer unterhalb des Finanzministeriums schaut man nicht nur auf die größte bewegliche Leinwand, sondern auch auf die Skyline der Schönsten aller Schönen hier im Land. So singt bekanntlich alljährlich Roland Kaiser über Dresden in „Affäre“.

Doch nicht der Anblick allein schafft eine unvergleichliche Atmosphäre. Unter freiem Himmel einen Kinoabend zu genießen, ist schon was Besonderes und wenn plötzlich ein Dampferhorn der Weißen Flotte ertönt oder Blaulichter die Carolabrücke entlang zucken, wird der Stimmung eine unvergleichliche Krone aufgesetzt.

Heute läuft „Plötzlich Papa“ mit Omar Sy. Im Original heißt der Film „Demain tout commence (Morgen beginnt alles)“. Mit Blick auf die Handlung passt dieser Titel besser, denn diese wunderbar-traurige Komödie vermittelt eine verdammt wichtige Lektion: Lebe heute!

[Achtung Spoiler] Samuel ist Everybody’s Darling. Tagsüber jettet er mit seiner Jacht übers Meer. Nach rauschenden Discoabenden beglückt er die Frauenwelt – gern auch mal im Doppelpack. Gloria ist das Ergebnis einer solchen Liebesnacht. An ihre Mutter Kristin kann er sich schon nicht mehr erinnern. Normalerweise löst Samuel Probleme mit Charme samt dazugehöriger dummer Sprüchen. Doch als Kristin plötzlich auftaucht und ihm seine Tochter in den Arm drückt, kann er lachen wie er will. Die Ex-Gespielin verschwindet einfach mit dem Taxi und lässt Beide am Strande Frankreichs zurück. Schnurstracks fliegen Samuel und Gloria nach London. Er will das Kind wieder loswerden. Die Mutter ist jedoch unauffindbar und Samuel muss im britischen Regen bleiben, da ihm seine Chuzpe zum zweiten Mal an diesem Tag versagt. Seine Chefin feuert ihn fristlos.

„Plötzlich Papa“ macht nach diesen einschneidenden Erlebnissen einen Zeitsprung und auf der Leinwand ist ein eingespieltes glückliches Team zu erleben. Samuel verdient mittlerweile als Stuntman den Lebensunterhalt für seine Tochter. Damit Gloria ihre Mutter nicht vermisst, hat er der Achtjährigen die Geschichte erzählt, dass Kristin als MI-5-Agentin in geheimer Mission unterwegs ist und deshalb nicht nach London kommen kann. Außerdem erfahren wir, dass eine medizinische Behandlung nicht angeschlagen hat. Offen bleibt, ob bei Samuel oder Gloria. Ein geschickter Kniff des Drehbuchs lässt vermuten, dass der Vater nur noch wenige Zeit zum Leben hat. Als eines Tages Gloria dann tatsächlich Kristin kennenlernt, ändert sich alles.

Erst verläuft alles harmonisch. Doch kommt es zum Sorgerechtsstreit und, nach einem zwischenzeitlichen Erfolg, verliert Samuel diesen. Kristin mehr vor acht Jahren mit als nur einem Franzosen im Bett! Samuel ist nicht Glorias leiblicher Vater. Da er also kein Sorgerecht hat, holt Kristin mit Scotland Yard Gloria von Samuel ab. Beide sind jedoch mit dieser Situation jedoch nicht einverstanden und flüchten an die Côte d’Azur. An dieser Stelle wird’s traurig und ich musste mit den Tränen kämpfen. Es ist nämlich Gloria ist nämlich die Kranke. Aufgrund eines Herzfehlers kann jeder Tag auf Erden ihr letzter sein. An dieser Stelle wird auch klar, warum Samuel die Schule nicht so wichtig war. Er wollte seiner Tochter jeden Tag etwas bieten. In den letzten vier Monaten von Glorias Leben machen dies Vater und Mutter gemeinsam. Gloria kann so glücklich und in Frieden gehen.

Das Juryurteil – also meins: Zwischen Glück und Traurigkeit liegt oft nur ein Herzschlag.
Acht von elf Stockwerken.

Bildquelle: Tobis Filmverleih

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