Von Durchgedrehtem und von Sehenswertem.

[Achtung Spoiler] Seit rund fünf Monaten sind sie zusammen. Nun soll Chris die Eltern seiner Freundin kennen lernen. Doch bei dem New Yorker Fotografen gibt es neben der, uns wohl allen bekannten Nervosität vor dem ersten Treffen mit den vielleicht zukünftigen Schwiegereltern, noch einen anderen Grund aufgeregt zu sein: Rose‘ Familie ist weiß. Er ein Afroamerikaner. Der satirische Mystery-Horror-Thriller mit Comedy-Elementen von Jordan Peele (O-Ton Pressetext) „Get Out“ beginnt mit einer Fahrt ins Idyllische und der Diskussion, warum Rose ihren Eltern nichts gesagt. Rose beteuert, dass ihre Familie absolut unrassistisch sei. Ja, sie hätten Obama sogar ein drittes Mal gewählt.

Nach einem Wildunfall während der Hinfahrt muss Rose aber erleben, was Rassismus für Chris bedeutet. Ein Polizist verlangt von dem Afroamerikaner die Ausweispapiere, obwohl er nur Beifahrer war. Rose geht daraufhin heftig verbal gegen den weißen Sheriff vor. Sie wird jedoch immer wieder von Chris gebremst. Für ihn ist dieses Verhalten bekannter Alltag. Er will einfach machen, was von ihm verlangt wird. An dieser Stelle hat der Film mir einen Spiegel vorgehalten. Wenn ich ehrlich bin, behandle ich nicht immer alle Menschen gleich. Meine Schubladen ziehe ich gern mal auf.

Das Kennenlernen verläuft dann aber trotz der Aufregungen auf der Hinfahrt richtig harmonisch. Chris wird auf dem abgelegenen Landsitz liebevoll aufgenommen. Nur das er Raucher ist, stößt auf Ablehnung. Mutter Missy bietet ihm als Psychiaterin sogar eine Hypnosetherapie an. Doch diese hat einen ganz anderen Hintergrund, wie Chris bald herausfindet: Auf einem „Familientreffen“ wird sein kräftiger gesunder Körper versteigert. Er soll als Gefäß für den Geist eines kranken Weißen dienen. Der Film startete schmunzelnd-gesellschaftskritisch im Stil von „Monsieur Claude und seinen Töchtern“. Leider dreht er spätestens mit den Psycho-OP-Szenen ins Lächerliche ab. Mein Preis für die albernste Ausstattung des Jahres geht an die Kerzen im Hightechoperationssaal. – Was soll das?

Das Juryurteil – also meins: Ein toller Film. Ein abgedrehter Film.
Sechs von 10 Teetassen.

Bildquelle: Blumhouse / Universal Pictures

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