Vom Journalisten und vom Präsidenten.

Recep Tayyip Erdoğan brachte als Ministerpräsident die Türkei wirtschaftlich voran. Seine klugen Wirtschaftsprojekte modernisierten das Land. Mit ihren satten Bäuchen nahmen die Türken es hin, dass ihnen Rechte langsam entzogen wurden und doch leisteten Einige Widerstand. Sie sorgten dafür, dass sich ihre Landleute nicht allzu sehr einlullen ließen. Erdoğans Umbau der Türkei, weg von der parlamentarischen Republik hin zum Präsidialsystem, kam bis zum dilettantischen Pusch vom 15. und 16. Juli 2016 ins Stocken. Dann zeigte Erdoğan, wie man ein Volk vereinen kann. Er präsentierte mit den Kurden nicht nur einen traditionellen Feind, sondern mit der Gülen-Bewegung gleich einen neuen Zweiten. Ist Erdoğan gerade dabei einen dritten Feind aufzubauen? Diesmal um die Deutsch-Türken hinter sich zu vereinen?

Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel ist die tragische Hauptfigur in dieser Inszenierung, auf die Shakespeare wohl mit Neid blicken würde. Gegen die Verhaftung des Journalisten formiert sich in Deutschland parteiübergreifender Widerstand. Es wird sogar ein Verbot eines geplanten Wahlkampfauftritts von Recep Tayyip Erdoğan in der Bundesrepublik gefordert. Mal abgesehen davon, dass dies rechtlich wahrscheinlich nur schwer umsetzbar ist, frage ich mich, ob man Herrn Erdoğan damit nicht in die Karten spielt.

Ich höre ihn schon: „Die Deutschen wollen euch, obwohl ihr in Deutschland geboren seid und dort arbeitet, nicht in Deutschland haben! Sie haben uns nach dem Putsch nicht unterstützt! Jetzt wollen sie nicht, dass eurer gewählter Präsident bei euch ist.“

So gewinnt man Wahlen. Donald Trump hat es vorgemacht.

Bildquelle: dpa.de

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