Von der Sonntagsfrage und vom Kopfschütteln.

Ich schüttelte den Kopf, als ich am 9. November 2016 munter wurde. Donald Trump war tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt worden. Ich war mir sicher, dass so etwas in Deutschland nicht passieren wird. Ich rede mir letzter Zeit auch immer wieder ein, dass die AfD-Wähler, nur Protestwähler sind. Schließlich ist die breite Masse der Amerikaner nicht gerade für ihre Intelligenz bekannt, oder? Doch dann kam Martin Schulz. Seitdem zweifle ich auch am deutschen Wähler.

Im Alter von 19 Jahren trat Martin Schulz in die SPD ein. Seit dem hat er das politische Strippen ziehen gelernt. Oder kann man mit Blick auf seinen Widerstand gegen eine zweite Amtszeit der Kommission Barroso gar von Ränkespielen sprechen? Denn plötzlich lockerte Schulz seinen Widerstand und wurde 2012 Präsident des Europäischen Parlaments. Auch bei der Wiederwahl 2014 gab es geheime Absprachen mit der konservativen EVP-Fraktion, die Martin Schulz ihre Unterstützung für bestimmte Gegenleistung zusicherte. Aber wahrscheinlich ist das alles nichts Ungewöhnliches und Politik funktioniert halt so. Ich glaube in jeder deutschen Parteien werden wir entsprechende Beispiele finden.

Doch Martin Schulz tut so, als ob er mit der bisherigen deutschen Politik nichts oder nicht viel zu tun hatte und die Deutschen fallen drauf rein. Seien wir in seiner Beurteilung ehrlich! Das Einzige, was ihn von Angela Merkel unterscheidet ist, dass er volkstümlich auftritt und – politisch fein geschliffen – sagt, was die Masse hören will. Die Forderung nach einer längeren Bezugszeit von Arbeitslosengeld klingt verlockend. Ich zum Beispiel zahle seit meinem 16. Lebensjahr fast ununterbrochen in die Sozialkasse ein. Ich finde es da ein Stück unfair, bei einer Arbeitslosigkeit genau so lange Arbeitslosengeld zu bekommen, wie der Akademiker der mit 40 arbeitslos wird, aber vorher erst fünf Jahre eingezahlt hat. Ich stelle mir aber auch die Frage, wie ein längeres Arbeitslosengeld finanziert werden soll.

Ich bin dafür, die Amtszeiten der Bundeskanzler zu begrenzen. Martin Schulz ist für mich jedoch keine Alternative. Um es mit einem Vergleich zu beschreiben: Er ist nicht einmal eine neue Tapete in einem renovierten Zimmer. Martin Schulz ist eher alte Farbe auf einer schon vor vielen Jahren aufgeklebten, noch älteren Raufasertapete. Wirklich neue Ideen oder Lösungsansätze bietet er nicht. Wie auch, europäische Politik ist zum Großteil deutsche Innenpolitik und da ist er gut vernetzt.

Ist Martin Schulz vielleicht gar ein kleiner Populist? Das werden seine weiteren Wahlkampfreden bis zur Bundestagswahl zeigen.

Bildquelle: dpa.de

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5 Kommentare

    1. Ist das nicht ein etwas einseitiger Blick auf die Politik?

      Die Wähler – also auch wir – müssen endlich anfangen, sich mit Inhalten auseinander zu setzen und uns nicht nur von Parolen zu lullen zu lassen.

      (kommentiert via Facebook)

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