Von Kevin und von 23 Anderen.

Achtung Spoiler!

Poster: „Split“Bildquelle: Universal PicturesDie Freundinnen Claire und Marcia werden entführt. Mit im Auto, dass der Entführer in seine Gewalt bringt, sitzt Casey. Ihr Martyrium beginnt mit der bangen Frage, was ihr Entführer wohl will. Kurz nach der Gefangennahme keimt für die Mädchen Hoffnung auf, als ein sexueller Übergriff verhindert wird. Sie hören eine Frauenstimme, die den Kidnapper zurechtweißt. Doch der Entführer und die Beschützerin sind zur Überraschung der Gefangenen, ein-und-die-selbe Person. Die Drei müssen schnell begreifen, dass ihr Entführer eine gespaltene Persönlichkeit hat.

Der erste Teil von „Split“ ist großartig. Besonders die Leistung von James McAvoy in der Rolle von Dennis/Patricia/Hedwig ist Oscar reif. Mit der Unterstützung von nur wenigen Hilfsmittel spielt er die Alter Ego so gut, dass drei unterschiedliche Charaktere in einer Person erkennbar waren. Ich frage mich aber, ob er wirklich die Idealbesetzung ist. Zwischendurch musste ich nämlich immer mal an die „X-Men“-Reihe denken. Dort spielt James McAvoy Charles Xavier, der als Professor X Chef eines Instituts für besonders Begabte ist (X-Men: Apocalypse). Bestärkt werden meine dementsprechenden Gedanken durch die Rolle der Dr. Karen Fletcher. Die Therapeutin setzt sich immer wieder dafür ein, die dissoziative Identitätsstörung Kevins (dem „original Körper“) nicht als Krankheit zu begreifen, sondern als Chance und Weiterentwicklung der Menschheit.

Doch zurück zu „Split“. Der Film erzählt, warum sich in Kevin weitere 23 Persönlichkeiten entwickelten und wie diese versuchen, auch mal „ans Licht“ zu kommen. Zu den Therapiesitzungen bei Dr. Fletcher geht eigentlich meist Barry. Dieser Charakter hat normalerweise das Kommando. Er versucht auch die Machtübernahme durch die Horde aus Dennis, Patricia und Hedwig zu verhindern. Ihm gelingt aber nur, in Dr. Fletcher Misstrauen zu wecken.

Leider taucht im Finale das Biest auf. Diesen Teil des Films hatte ich so nicht gebraucht. Der Showdown zwischen den Geiseln, Dr. Fletcher und Kevins Persönlichkeiten triftet ins Übernatürliche ab. Das Biest ist nicht nur Charakter Nummer 24, sondern eine Art Übermensch. Als seine erste heilige Nahrung sollen die Mädchen dienen. Kurz bevor er sie frisst, tötet er noch seine Therapeutin. Claire und Marcia wurden bereits ausgeweidet, als sich das Biest an Casey ranmachen will. Doch während der Jagd durch die Katakomben eines Zoos erkennt er, dass Casey auch eine „Auserwählte“ ist. Seit ihrer Kindheit wird sie von ihrem Onkel missbraucht. Das Biest lässt von ihr ab und verschwindet. Casey kann fliehen. Im Polizeiauto wartend, wird sie von ihrem Onkel als ihrem Vormund abgeholt.

„Split“ endet nicht mit einem klassischen Cliffhanger. Das Ende öffnet jedoch die Möglichkeiten für Fortsetzungen: Das Biest ist auf der Flucht und Casey muss in ihr tagtägliches Gefängnis zurück. In der Bewertung des Films bin ich gespalten – sorry, aber dieses Wortspiel musste wenigstens einmal sein. Da stehen eine gute Story-Idee, eine fantastische schauspielerische Leistung und die toll in Szene gesetzte Atmosphäre gegen das, für mich, unnötiges Story-Element des Mystischen.

Bildquelle: Universal Pictures

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