Vom „Ja“-Sagen und von den Folgen

Premiere bei BehindBlueEyes.de: Easys Kolumne startet. Hin-und-wieder wird sich Holger an dieser Stelle zu Wort melden. Ich freue mich auf interessante Beiträge. Allerdings muss ich erst noch klären, ob er die Welt auch mit blauen Augen sieht.

In einer Zeit der verbreiteten Kommunikation mit Worten aber ohne Aussprache, sprich => Nutzung von Messenger-Diensten wie whatsapp etc., ist es hin und wieder schön, auch einmal angerufen zu werden. Zugegeben, ich liebe die Konversation mit Freunden, auch am Telefon.

Dienstag der vergangenen Woche ertönt die gewählte Anrufmelodie des Smartphones und ich singe lautstark mit: „..komm änd gädd idd iff ju riehli wonn idd…“ Äähm, ja, ich schweife ab.
Der Blick aufs Display verrät – +490341…. – prima, denke ich, Leipzig, hat wohl jemand eine neue Nummer…die „0“ hinter der „+49“ übersehe ich, irgendwie.

„Hallo“ – am anderen Ende knistert es, gerade so, als würde man ganz schnell durch dichtestes Gestrüpp rennen. „Halloo!!“ ….eine stark gebrochen deutsch sprechende weibliche Stimme meldet sich: „Spreche ich mit Hr. XYC“. „Der bin ich“ antworte ich. „Also sie sind Herr XYC aus CXY!?“. „Ich versteh sie ganz schlecht!“, meine Antwort. Den nächsten Satz verstehe ich schon nicht mehr, lege also auf. Hmm, ulkig, aber, passiert, obwohl ich meine Mobilnummer schlicht nicht bekanntgebe, außerhalb des Freundeskreises.

Am Mittwoch klingelt es wieder – +4915210127086. Verdammt, wer ist das nun schon wieder, Nummer nicht bekannt. „Hallo“. Antwort einer spürbar südosteuropäischen Dame: „Spreche ich mit Hr. XYC?“. (ich beginne zu ahnen, wo das hinläuft…) „Der bin ich.“ „Herr XYC, der in der YCX-Straße in 0000 CXY wohnt?!“ „Dort wohne ich.“ (na, was kommt jetzt noch?) „Ihr Stromanbieter senkt die Preise um über 30% und möchte mit ihnen ein Beratungsgespräch führen, damit sie auch weniger bezahlen. Wir möchten mit ihnen einen Termin vereinbaren. Passt es ihnen in nächster Zeit? Nächste Woche wäre doch ok, ja!?“ „Woher haben sie diese Nummer, diese ist für Werbeanrufe nicht freigegeben. Wer sind sie und wie heisst ihre Firma?“ – Schwupps, wird auf der Gegenseite aufgelegt.

Ich bin spürbar angesäuert, dass meine Telefonnummer nach zig Jahren der privaten Geborgenheit irgendwie „geleaked“ wurde…so sagt man das doch heute, oder?

Liest man in amerikanischen Foren, dann läuft aktuell eine großangelegte Betrugsmaschinerie, die augenscheinlich gerade den Sprung über den Teich zu uns geschafft hat. Es erfolgen Anrufe, bei denen Etliches versucht wird, um dem Angerufenen ein „Ja“ zu entlocken (gab es übrigens vor ca. 8 Jahren schon mal). Dieses „Ja“ wird dann nachträglich mit einer, nie am Telefon gestellten, vorherigen Frage zum Abschluss eines Vertrages über Leistung/Lieferung von was-weiß-ich zusammengeschnitten.

Die Angerufenen erhalten zeitnah wohl Post von einem Inkasso-Unternehmen, welches die angeblich fällige Forderung geltend macht. Nach dem Ignorieren des ersten Schreibens wird der Schriftverkehr, so hört man, aggressiver und fordernder, mit Hinweis auf eine negative Eintragung in Scoring-Datenbanken (Schufa etc.). Aus Angst davor zahlen dann wohl etliche Betroffene.

Ich habe zwar die Regeln des Fernabsatzes aus dem BGB (§§ 312 c ff.) im Hinterkopf und fühle mich als Privatperson sicher, ABER, ich erinnere mich auch, wie schwer es mir gefallen ist, ein „Ja“ zu vermeiden. Wäre der Anruf in astreinem Deutsch erfolgt, wäre es mir wahrscheinlich nicht gelungen, die deutlich fremde Aussprache hatte mich stutzig werden lassen.

Ein Freund wies mich darauf hin, dass ja auch die Aufzeichnung des Gespräches VORHER eindeutig bestätigt werden müsste und er daher ganz entspannt ist. Nun, entgegnete ich, welches Problem sollte sich für jemand ergeben, der schon das „Ja“ auf eine vertragsabschließend ausgerichtete Frage zu dieser hinzuschneidet, einfach noch ein „Ja“ auf die Frage „Sind sie einverstanden, dass dieses Gespräch zu Qualitätssicherungszwecken aufgezeichnet wird?“ zusammenzubasteln?

Seht Euch vor, wenn Ihr Anrufe von Euch unbekannten Nummern erhaltet. Jeder seriöse Anrufer wird sich nachvollziehbar vorstellen und auch ein kurzes „Hallo?“ am Anfang akzeptieren, den Grund dafür kann man leicht erklären.
Sollte Euch doch einmal das oben Beschriebene wiederfahren und Ihr entsprechende Post erhalten, mein (unverbindlicher) Tipp: nicht reagieren, egal, wie sehr noch gedroht wird, soll die Gegenseite doch klagen.

Meinen Klingelton für unbekannte Nummern habe ich übrigens geändert: „Wollt ihr das Bett in Flammen sehen“ – Rammstein…da ist man gleich in der richtigen Stimmung. Hach ja, die Welt ist schlecht und als höflicher Mensch ist man akut gefährdet, ODER!?

Sagt einfach „JA“!

7 Kommentare

  1. Wäre Musik im Hintergrund des Telefonats die Lösung? Also als eine Art Zeitstrahl. Wenn man das Gespräch abhört, würde man hören, wenn der Song nicht durchläuft.

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    1. Definitiv ja, aber erstens müsste die dann ziemlich laut sein und zweitens, warum der Aufwand!?
      In dem Zusammenhang, Trillerpfeife ins Mikro ist auch keine gute Idee…potent. Körperverletzung.

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  2. Gefällt
    Zum Thema selbst: besagte Nummer habe ich auch immer wieder auf dem Telefon. Glücklicherweise kam noch keine Gespräch zustande. Aber nun bin ich ja gewarnt. Danke

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