Vom herzlosen Widerstand und vom gefühlvollen SS-Obergruppenführer.

The Man in the High Castle“ geht bei Amazon Prime in die zweite Runde. Schon die erste Staffel vom Dezember 2015 faszinierte mich: „Vom Schicksal und von Möglichkeiten“. Die neuen Folgen stellen die fast schon philosophische Frage nach Gut und Böse noch mehr in den Mittelpunkt.

Da ist zum Beispiel Familie Smith. John Smith hat nach der Bombardierung Washingtons Karriere in der SS gemacht. Vom Lieutenant der U.S. Army zum Obergruppenführer. Sein Sohn Thomas leidet an einer Erbkrankheit. Nach den Rassenhygienegesetzen müsste er als unwertes Leben eingestuft und – um der Gesellschaft nicht zur Last zu fallen – getötet werden. Im Reich gibt es dafür mobile Gaskammern. Doch John vertuscht die Krankheit. Handelt er nun gutmütig, eiskalt berechnend oder sind seine Handlungen kriminell?

In den Japanisch-Pazifischen Staaten (Ostküste mit San Francisco) rettet der Widerstand Amerikaner vor der Erschießung durch die Japaner, um Angst und Verwirrung bei den Besatzungsgruppen zu erzielen. Dass Vergeltungsmaßnahmen durch die Kempeitai erfolgen, wird billigend in Kauf genommen. Auch hier stellt sich wieder die Frage, ob das nun Heldentaten sind oder doch Morde.

Wie urteilt man? Wie geht man damit um? Die Charaktere aus „The Man in the High Castle“ gehen verschiedene Wege. Während Frank Frink in der ersten Staffel dem Widerstand kritisch gegenüberstand, wird er im Laufe der Zeit zu einem glühenden Unterstützer. Er hat aber auch schon viel verloren. Seine Schwester und deren Kinder wurden durch die Japaner vergast. Seine (ehemalige) Freundin Juliana Crain zerbricht jedoch an diesen Grausamkeiten. Erst lässt sie sich durch den Widerstand helfen, um dann John Smiths Geheimnis zu schützen.

Erschrocken war ich, wie symphytisch die Serie das Deutsche Reich zeichnet. Eine glückliche Welt. Besonders im Vergleich zur Ostküste. Die Nazis sind modern, sauber und höflich. Wirklich richtig nett. Keine billigen Rassisten wie die Japaner. Doch das ist nur Fassade. In Wirklichkeit geht es nur um Macht, krude Gedanken und deren Durchsetzung. Ein gelungenes Stilmittel: Jeder ist verantwortlich, auch wenn man nur montags spazieren geht!

Und dann sind da ja noch diese ominösen Filme einer anderen Wirklichkeit. Die Staffel 2 bringt Licht ins Dunkel. Doch ich hatte diese, wie auch den Mann vom hohen Schloss nicht gebraucht. Irgendwie passen sie gar nicht so richtig dazu. Doch zeigen sie insbesondere Juliana Crain, dass man sich immer treu sein muss, auch wenn sich die Begebenheiten im Leben ändern.

Ich freue mich auf Staffel 3!

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