Von Schuld und von Sühne.

Lee führt mit seiner Frau Randi und den Kindern kein High-End-Level-Leben. Die Fünf sind aber glücklich. Nach einer lauten Billard-Party im Keller des Familienhauses schmeißt Randi Lees Freunde nachts um Zwei raus. Sie will endlich schlafen können. Hippelig und noch voll im Drogenrausch, geht Lee zur Tankstelle. Er hat Durst. Zuvor macht er ein Feuer im Kamin. Die Kinder sollen es doch warm haben. Nach nicht mal einer Stunde kommt er zurück. Das Haus brennt. Randi konnte gerettet werden. Die Kinder nicht.

Manchester by the Sea“ erzählt auf mehreren Zeitebenen Lees Leben. Die polizeiliche Vernehmung ist für mich die prägendste Szene des Films. Nach dem er die Fragen des Sherifs beantwortet hat, darf er gehen. Lee versteht das nicht. Für ihn ist unbegreiflich, dass es keine Strafe geben wird. Alles in seinem Leben hat sich durch seinen Fehler geändert. Alles! „Doch für einen Fehler wird niemand bestraft“ sagt der Polizist. Mit seinem Umzug nach Boston bestraft sich Lee also selbst. Er führt hier ein zurückgezogenes Leben als Hausmeister. Doch er ist jederzeit kurz davor zu explodieren. In diese Monotonie fällt der Tod seines Bruders.

Lee muss plötzlich für seinen Neffen Verantwortung übernehmen. Für Patrick kehrt er in seine Heimatstadt zurück. Die Beiden haben seitjeher einen Draht zueinander. Doch für Lee ist jeder Tag eine Qual. Nach einem Treffen mit seiner Ex-Frau kann er nicht mehr. Randi und Lee sind noch voll von Gefühlen für einander und doch können sie sich nicht einmal wirklich in die Augen sehen. „Ich kann es einfach nicht ertragen.“ Lees Versuch der Rückkehr scheitert. Kein Happy End, trotz all der Liebe.

Das Kinojahr 2017 ist glanzvoll gestartet. Mit „Manchester by the Sea“ zeigt Hollywood seine starken Seiten. Der Film ist ein stilles, und doch humorvolles Drama mit unglaublich guten Darbietungen von Casey Affleck (Lee), Michelle Williams (Randi) und Lucas Hedges (Patrick). Ich drücke Casey Affleck die Daumen, den Oscar für den besten Hauptdarsteller zu bekommen. Verdient hat er ihn, so wie „Manchester by the Sea“ einen Maßstab für die kommenden Filme gesetzt hat.

Bildquelle: Amazon Studios / Universal Pictures Germany

Diesen Beitrag teilen:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.