Von der Quasselstrippe und vom Schreihals.

Er ist einen knappen Kilometer lang, der Weg von der Straßenbahnhaltestelle nach Hause. Ich brauche dafür reichlich zehn Minuten. Eine gute Strecke, um vom Arbeits- in den Freizeitmodus zu wechseln. Da ich Nebenstraßen laufe, treffe ich unterwegs nur wenige andere Menschen. Viele nutzen die Hauptstraße. Oft sehe ich nur Hundegassigeher oder andere Nachhausekommende. Doch heute hatte ich einen Großteil der Strecke eine Unterhalterin.

Die Studentin stieg vor mir aus der Straßenbahn und lief, bis sich unsere Wege trennten, immer in Hörweite. Geredet hat sie die ganze Zeit. Wirklich die ganze Zeit! Ich habe zwar vieles nicht verstanden, aber ihre Stimme war immer zu hören. Die Person am anderen Ende der Leitung konnte außer „mh“, „ja“ oder anderen einsilbigen Lauten eigentlich nichts sagen. Die Quasselstrippe gab ihr oder ihm dazu einfach nicht die Möglichkeit. Selbst als die Studentin im Schneematch kurz ins Rutschen kam, unterbrach sie ihren Monolog nicht.

Keine Ahnung, wer so lange zuhört. Einiges anhören, muss sich jetzt wahrscheinlich auch einer meiner Nachbarn. Wir sind gemeinsam ins Haus gegangen. Während ich noch in den Briefkasten sah, lief er schon die Treppen hoch. Die Begrüßung seiner Freundin konnte ich bis in den Eingangsbereich hören: „Ach kommst Du Arschloch doch nach Hause!“ Dann knallte eine Tür.

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