Von der Ordnungszahl und vom Greenhorn.

Nun ist Donald John Trump also tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten und dies auch noch mit einer so markanten Ordnungszahl, die er merchandisingmäßig geschickt ausbeutet. Ich kann noch immer nicht verstehen, wie er als politisch unerfahrenes Greenhorn es ins Amt geschafft hat. Ich kann es aber genauso wenig verstehen, wie Menschen montags zu Pegida gehen oder gar AfD wählen. Ich bin eher skeptisch, wenn es auf komplizierte Fragen einfache Antworten gibt. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Asyl.

Irgendwie scheint es nur noch zwei extreme Standpunkte zu geben. „Ausländer raus“ brüllt die eine Seite und „Refugees welcome“ nicht minder leiser die andere. Dabei ist beides zu tiefst menschenverachtend. Es gibt nicht auch nur einen Menschen, der allein wegen seines Geburtsorts mehr Hilfe braucht. Es gibt übrigens auch keinen einzigen Menschen, der wegen seines Geburtsorts besser oder schlechter ist, als der Menschheitsrest.

Wie sollen wir nun aber helfen? Ich glaube, dass Deutschland im letzten Sommer, zwar anfangs holprig und unkoordiniert, tatsächlich etwas Großartiges geleistet hat und darauf sollten wir stolz sein. Ich stelle wohl zu Recht aber auch die Frage, ob wir das noch einmal schaffen können. Außerdem frage ich mich, ob Europa für Menschen aus dem arabischen Kulturkreis tatsächlich das richtige Fluchtziel ist. – Viele Fragen und eine einfache Antwort à la Trump ist meiner Meinung nach nicht wirklich möglich.

Aber ich möchte auch ehrlich sein. Mir geht das Thema Flüchtlinge auf den berühmten Keks. Mein Glas war – um bildhaft zu bleiben – mit dem Beginn der Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum voll. Selbst in der dazugehörigen Festveranstaltungsrede mussten die Flüchtlinge eingearbeitet werden. Es wurde die Frage gestellt, wie Martin Luther Position bezogen hätte. Ich habe vor der erwartbaren Antwort genervt weggeschaltet. Warum wird alles nur noch auf dieses Thema reduziert? Wird damit nicht auch den blau-braunen Populisten in die Hände gespielt? Mich bewegt gesellschaftspolitisch ein ganz anderes Thema und finde dazu leider eine keine Antworten von den aktuellen Akteuren im Bundestag: Die gesetzliche Rente. Wie viele Abstriche muss ich trotz privater Zusatzvorsorge an meinem Lebensstandard im Alter machen? Ist die 2016er Rentenerhöhung generationengerecht? Wieder so viele Fragen und mir ist klar, dass es keine einfachen Antworten geben kann.

Aber warum rennen so viele Menschen Populisten hinterher? Ich gehe mal stark davon aus, dass ich nicht der Einzige mit einem halbwegs mitdenkenden Blick auf die aktuelle Politik bin. Doch welche Antworten gibt es von den Parteien? Die Haltung der CDU ist in vielen Dingen recht nebulös. Ich wünsche mir hier mehr Führungsstärke. Vom Rest gibt’s Frauenquoten und Gendersterne.

Liegt vielleicht das große Problem in unserem Land darin, dass die Grundorientierung fehlt und sich ein Teil der Politik elfenbeintürmischen Projekten widmet, die die Mehrheit der Wähler bestenfalls nicht interessiert oder schlimmstenfalls nicht mal nachvollziehen kann? Dabei müsste nicht mal viel geändert werden. Ich mag eine erst denkende und dann handelnde Regierung und auch die stete Weiterentwicklung der Grundwerte ist notwendig. Aber ich möchte regelmäßig klare Worte hören und bitte um eine Geschwindigkeit, die nicht auf alle Rücksicht nimmt, aber bei der die Mehrheit der Bevölkerung mithalten kann.

Bildquellen: shop.donaldtrump.com

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5 Kommentare

  1. Vielleicht liegt es daran, dass Politiker es immer geschickt verstehen, auf klare Fragen keine klaren Antwort zu geben sondern nur irgendwie rumschwurbeln. Ich denke immer, wenn uns klar gesagt wird, was uns erwartet, und sei es noch so negativ, kommt es besser an als mit tausend Worten nichts zu sagen.

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