Von der Blechdose und von der Bommelmütze. 

Mit dem Sturm kam letzte Nacht der Schnee. Eine dicke weiße Decke hat sich über Dresden gelegt. Schon seitdem seligen Genossen Ulbricht spricht man von Katastrophenpulver. Die Stadtverwaltung bekommt das mit Straßenräumen schlicht und ergreifend nicht hin. Das Zeugs fällt ja auch immer überraschend vom Himmel.

Wegen des letztnächtigen Dachbodeneinsatzes bin ich heute früh nur schwer aus meinem Bett raus- und in den Hauptberufsverkehr reingekommen. Wobei so richtig rollen die Busse nicht. Meine „62“ ist schon mindestens zweimal ausgefallen. Uns Menschen geht’s jetzt also wie den Ölsardinen in ihren Blechdosen. Es ist verdammt eng. So viel körperliche Nähe habe ich sonst eigentlich nur mit einer ganz bestimmten Person und auf mehr kann ich auch verzichten. „Können Sie bitte Ihre Bommel aus meinem Gesicht nehmen?“ „Sorry! Die ist aber auch groß.“ „Ja und sie kitzelt.“ Nicht nur die eng an mich gedrückte Studentin und ich lachen, sondern auch auf einigen anderen Gesichtern dieser gequetschten Schicksalsgemeinschaft ist ein Schmunzeln zu sehen.

Langsam aber sicher nähern wir uns meiner Ziel-Haltestelle. Mit der Bummelmützenbesitzerin tausche ich schon mal den Platz und künde meinen Wunsch dann an: „Ich möchte bitte aussteigen.“ Eine ältere Frau vom Typ Rumpuff wiederholt das mit kräftiger Stimme. „Hier will jemand aussteigen!“ und drückt mich durch die Massen Richtung Tür. „Danke.“ „Das mache ich nur, weil Sie so lieb ‚bitte‘ gesagt haben.“

Ich mag den Winter, nicht nur wegen der vielen guten Motive. Mehr davon gibt’s bei Instagram.BehindBlueEyes.de. Einfach reinklicken und folgen.

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