Vom Jupiter und von Ochsen.

Vor mir wird es gerade laut in der Straßenbahn. Auf der einen Seite sitzen vier Schüler und daneben eine Rentnerin. Diese geifert in einer unglaublichen Lautstärke und mit einer – ich benenne es mal dezent – gewöhnungsbedürftigen Wortwahl auf die Jungs ein: „Ihr dummen Arschlöcher, nehmt ihr endlich eure vergammelten Treter von den Sitzen runter! Haben eure nichtsnutzigen Eltern euch nichts beigebracht? Ihr gehört doch alle ins Heim zu den anderen Bastarden!“ Von den so nett Angesprochenen erfolgt übrigens gar keine Reaktion. Sie ignorieren das Gezeterte einfach. Ist vielleicht auch besser so. Es reagiert auch sonst niemand. Nur die Rentnerin wird angestarrt. „Will von euch Idioten niemand was sagen?“

Es sagt immer noch niemand etwas. Wenn man übriges genau hinguckt, sieht man, dass die Kinder ihre Füße gar nicht auf den Polstern haben. Die Schüler tippen mit den Füßen an den Kanten der Podeste, auf die die Sitze montiert sind. Ich sitze übrigens manchmal auch so da.

An der nächsten Haltestelle steigt eine Frau ein. Sie steuert auf die Platzgruppe zu, in denen auch die Rentnerin sitzt. „Können Sie bitte Ihren Hund auf Ihren Schoss nehmen? Ich möchte mich gern hinsetzen.“ Der Chihuahua wird kommentarlos rüber gehoben. Die Frau setzt sich jedoch nicht sofort. Sie nimmt erst ein Taschentuch und wischt mehrmals über den Sitzplatz. 

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